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Empathie für Autismus

Empathie für Autismus

Autismus: eigene Erfahrung
Behandlung

Autistische Menschen sind oft nicht fähig zu sozialer Empathie. Dennoch nehmen sie sehr wohl Antipathie bei BehandlerInnen wahr.

Wie wirkt sich die Haltung des medizinischen Personals auf den Behandlungserfolg bei AutistInnen aus? Wie ausgeprägt sind Vorurteile bei medizinischem Personal? Wie kann mehr Empathie für AutistInnen bei behandelnden Personen erzeugt werden?

Kommentare

Gespeichert von Autismus auf Augenköhe am Mi., 06.03.2024 - 18:05

Soziale Empathie besteht aus kognitiver Empathie und emotionaler Empathie .Ich denke das emotionale Empathie bei autistischen Menschen deutlich besser gelingt als kognitive Empathie .Bei nichtautistischen Menschen hängt das Gelingen von kognitiver Empathie auch von der Fähigkeit zur Selbstreflexion ab ( diese kann erlernt werden).
Kognitive Empathie ist für autistische Menschen trotz Selbstreflexion deutlich weniger ausgeprägt . Deshalb würde ich hier von einer autistischen sozialen Empathie und einer nichtautistischen sozialen Empathie ausgehen und unterscheiden.
Autistische Menschen nehmen oft sehr viele Emotionen war darunter auch Ablehnung und sind deshalb oft schnell überfordert und haben dann nicht die Möglichkeit auf Selbstreflexion zuzugreifen, was dann die Fähigkeit der kognitiven Empathie mit einschränkt.
Mit diesem Bewusstsein und dem Wissen um die strukturellen Ungerechtigkeiten die autistische Menschen ihr Leben lang begleiten sollten TherapeutenInnen zur Empathie gegenüber autistischen Patient*Innen befähigt sein.
Dazu kann Selbstreflexion und kognitive Empathie von nichtautistischem medizinischem Personal genutzt werden. Dies ist kein automatisch ablaufender Prozess. Dies ist jedoch ein Prozess den autistische Menschen täglich lebenslang leisten. Daher ist dies auch eine gute Übung für nichtautistisches medizinisches Personal um sich in den autistischen Menschen hineinzuversetzen.

Gespeichert von Franziska M. am Mo., 11.03.2024 - 23:37

Der Empathiebegriff sollte aus meiner Sicht noch stärker differenziert werden. Vor allem lässt sich die Einteilung kognitiv vs. empathisch nicht direkt AutistInnen zuordnen. Nicht alle AutistInnen sind immer sozial empathisch, sondern können kognitiv vieles besser erleben.

Vermutlich müsste noch ein dritter Begriff eingeführt werden, nämlich die der emotionalen Resonanz, damit ist gemeint, dass ich die Gefühle vom Gegenüber direkt erspüren kann. Ob ich dann "empathisch" reagiere, ist erstmal davon unberührt.

Ich glaube die Begriffe generell sind sehr unscharf.

Gespeichert von Tobbie am Mi., 13.03.2024 - 03:34

Das ist ein wichtiges Thema. Das Double-Empathy-Problem ist zwar schon bekannt, aber weitere Forschung wäre gut.
Nicht-autistische Menschen reagieren unbewusst auf autistische Menschen und die Folgen können schwerwiegend sein. Was könnte hier helfen, dass Ärzte, Psychotherapeuten und andere sich das stärker bewusst machen? Wie könnten passende Schulungen aussehen?

Erwarten behandelnde Personen für ihre Arbeit unbewusst neben der selbstverständlichen Bezahlung auch eine nicht-monetäre Belohnung von den Patienten? Zum Beispiel in Form von Lächeln oder anderer nonverbaler Rückmeldung? Wie gehen sie damit um, wenn sie diese von autistischen Patienten nicht oder nicht ausreichend erhalten? Wie können sie lernen, die Arbeit mit autistischen Menschen auf andere Weise als bereichernd zu empfinden?

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